Bretschneider, Ludwig

22.8.1860, Wien – 4.8.1929, Wien

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Ludwig August Bretschneider war in der Ersten Republik für viele Sozialdemokraten geradezu ein Symbol für die Geschichte ihrer Partei. Als Sohn eines Zeugmachers kam er in einem kleinen Haus zur Welt, das sich in der heutigen Rechte Wienzeile 97, damals Wienstraße befand. An dieser Stelle wurde später das Vorwärts-Gebäude errichtet.

Während seiner Lehrzeit als Bildhauer kam Ludwig Bretschneider mit der Arbeiterbewegung in Kontakt. Victor Adler wurde auf den jungen, engagierten Mann aufmerksam und machte ihn zum Redakteur und Verwalter der 1886 gegründeten Gleichheit. Bretschneider war auch maßgeblich an der organisatorischen Vorbereitung des Hainfelder Parteitags beteiligt.

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Seine große Bewährungsprobe kam jedoch 1890, als erstmals der 1. Mai als internationaler Kampftag der Arbeiterbewegung begangen wurde. Da Victor Adler zu diesem Zeitpunkt eine Gefängnisstrafe zu verbüßen hatte, musste Bretschneider als sein engster Mitarbeiter die Leitung der gesamten Organisation übernehmen. Bretschneider sorgte für einen ebenso eindrucksvollen wie reibungslosen Ablauf der gewaltigen Kundgebung, nicht zuletzt durch eine straff organisierte Ordnertruppe – eine Maßnahme, die beispielhaft und bald selbstverständlich für Veranstaltungen dieser Art wurde.

Als Verantwortlicher für den Zeitungsvertrieb, zuerst der Gleichheit, dann der Arbeiter-Zeitung, war Bretschneider mehrmals in Polizeihaft. Bretschneider, der die Funktion des niederösterreichischen Landesparteisekretärs ausübte und Mitglied des Bundesparteivorstandes war, gehörte von 1907 bis 1927 auch dem Reichsrat bzw. dem Nationalrat an.

Ludwig Bretschneiders jüngerer Bruder war der Bezirksvorsteher von Floridsdorf, Franz Bretschneider, der über diesen sagte: Er war der beste, der idealste Bruder. 

Die Bretschneidergasse im 19. Bezirk wurde 1930 nach ihm benannt.

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